Wie in der Lokalpresse berichtet, fanden auf einer wichtigen Verbindungsstrasse zwischen 2 Doerfern in unserer Gegend Bauarbeiten statt. Wie erwartet, gab es mit den Autos ellenlange Staus mit entsprechenden Wartezeiten. Da man ja jeden Tag auch den selbst fadenscheinigsten Grund heraussucht, um *nicht* mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren, war dieser Umstand geradezu praedistiniert, um ebend *nicht* mit dem Auto zu reisen.
Ich fuhr also auf dem Feldweg vor mich hin, der in einiger Entfernung parallel zur Strasse zwischen den zwei Doerfern fuehrt. Die Strecke ist betoniert, als Wirtschaftsweg fuer Traktoren deklariert, auf dem auch Fahrraeder und Fussgaenger verkehren duerfen. Durch leises Gebrubbel merkte ich ploetzlich, dass offenbar ein Auto hinter mir auf dem Feldweg herschlich. Das war insofern interessant, als das in einiger Entfernung mir ein anderes Auto entgegenkam. Ueber dessen Anwesenheit war ich eigenlich schon veraegert, weil diese Kraftfahrzeuge offenbar die Baustelle und den Stau umfahren wollten.
In einem Anfall von Uebermut schickte sich das schwarze Auto hinter mir an, mich zu ueberholen, ward des weissen Autos vor mir auf dem 2,50 m breiten Weg angesichtig - und wich rechts auf die Wiese aus. Fuer mich blieb dann die Wahl zwischen Elektrozaun der Pferdekoppel oder Seitenwange der Mercedes A-Klasse. Genau in diese rammte ich dann meinen Lenker und beobachtete den Fortlauf der Geschichte vom Sattel aus. Die Darsteller von links nach rechts: Weisses Auto aus Dorf A, schwarzes Auto aus Dorf B, rotes Fahrrad aus Dorf B.
Nach kurzer Zeit wurde auch klar, dass das Zusammentreffen der 3 Verkehrsteilnehmer jedem nicht so richtig in den Tagesablauf passten. Der Benachteiligte (und der einzige mit legitimen Anwesenheitsgrund auf dem Feldweg) war eigentlich ich, aber die beiden Insassen des weissen Autos krakeelten im breitesten Hessisch auf die auslaendische Fahrerin das schwarzen PKWs ein. Die Argumentationskette der Schuldzuweisungen war aber nicht ganz schluessig. Das weisse Auto war schliesslich auch illegal auf dem Feldweg unterwegs. Die Fahrerin des schwarzen Autos hatte es wahnsinnig eilig und beneidete den Mercedes-SLK-Fahrer, der an der ganzen Szenerie noch weiter links auf der Wiese vorbeifuhr. Ich schrieb mir erstmal alle Kennzeichen auf und instruierte meine Unfallgegnerin, dass ich erst vor einem Jahr einen Fahrradunfall hatte, der mich mehrere Wochen aus dem Verkehr zog und die schuldige Autofahrerin damals ueber 1000 Euro Schmerzensgeld zahlen musste. Sie beguckte sich dann mein Fahrrad und fragte, wo hoch denn der Schaden sei. Tja, mein Lenkergriff war etwas verschrammt, der materiell Benachteiligte war diesmal eindeutig das Auto. Gesundheitliche Schaeden gab es keine ausser der angegriffenen Psyche und die sollte mit 20 Euro wieder in Ordnung gebracht sein.
Fazit: 3 Unfaelle pro Tag koennen einen ganzen Monatsverdienst ersetzen. Eigentlich muss man ganz froh sein, dass Vorsicht und gegenseitige Ruecksichtsnahme im Strassenverkehr schon lange auf der Strecke geblieben sind.
