Alle Jahre wieder - die Weihnachtseinkäufe stehen auf dem Programm. Es lockt der ewig klagende Einzelhandel und wartet auf Kundschaft. Oder doch nicht? Irgendwie hat mich die Werbelawine um den immer noch nicht erworbenen Flachbildfernseher noch nicht erreicht. Deswegen steht er vermutlich immer noch im Laden und wartet drauf, abgeholt zu werden. Aber was will man mit dem Fernseher, wenn man noch nicht mal was Ordentliches zum Anziehen hat?! Unser erster Weg führt uns nach Oberursel Down Town, wo zum sonntäglichen Adventsmarkt clevererweise ein paar Schuhgeschäfte geöffnet hatten. Das passte mir ganz gut, weil ich ein paar neue Schuhe brauchte. Das Stammschuhgeschäft hatte nicht das, was ich brauchte, aber ein benachbarter überzeugte durch Preis/Leistung sofort und so wechselten 39,95 Euro und 2 Schuhe den Besitzer.

Eine Woche später musste ich in der örtlichen Presse nachlesen, dass besuchter Schuhladen mit 2500 Euro Ordnungsgeld zu rechnen habe, weil er am besagten Sonntag geöffnet hatte, was nach alten/neuem hessischen Ladenschlussgesetz immer noch verboten ist. Für den Ladenbesitzer wird das ein teures Verkaufswochenende. Schuldbewusst schauen mich die neu erworbenen Schuhe an. 

Das zweite Erlebnis führt uns auf den Frankfurter Weihnachtsmarkt. Nach dem zweiten Glühwein auf nüchternem Magen und einer Flasche Bier wirkt der auch nicht mehr so schlimm. Man darf sich auch nicht drüber wundern, dass 2 Glühwein 10 Euro kosten sollen, denn man redet sich noch ein, dass das meiste davon eigentlich Pfand ist. Ungleich später fällt einem noch ein, daß man eigentlich den Einzelhandel zwecks Erwerb einer Winterhose besuchen wollte, was im Winter natürlich eine überaus kecke Idee ist. Also rein zu Peek&Cloppenburg auf der Zeil und zielstrebig an den Massen im Erdgeschoss vorbei in den dritten Stock. Dort findet man bald die Hosenabteilung aber leider keinen Plan, nach welchen Kriterien die Beinkleider sortiert sind. Wenn man meint, man habe den richtigen Stapel gefunden, wo dann doch nichs dabei war, findet man beim Weggehen noch einen weiteren Stapel an einer ganz anderen Ecke des Ladens, der eigentlich ganz gut zum ersten Stapel gepasst hätte. Gepasst hat dann letztlich doch keine Hose, obwohl ich mir akribisch meine kryptisch amerikanische Hosengrösse gemerkt hatte. Die, die laut Schild passen sollte, war zu eng. Und die, die eine Nummer grösser war, war zu gross. Dennoch entschied ich mich für den Kauf und schüttelte noch den Kopf über die Trageanleitungen der Klamotten: Frühling, Sommer, Ganzsjahr, Herbst, Winter. Jeder Bewohner eines skandinavischen Landes würde einen auslachen, wenn man ihm mit dieser "Winter"-Hose kommen würde oder mindestens das Teil reklamieren: Viel zu dünn im Stoff und für den Winter unter 10 Grad plus überhaupt nicht geeignet. Aber was solls, auf dem Weg zur Kasse ins Erdgeschoss suchte ich noch Ersatz für meinen ausgeleierten 15 Jahre alten Wrangler-Pullover. Die Jugendmode-Abteilung im Kellergeschoß schien mir geeignet zu sein. Auf dem Weg die Rolltreppe unten, blaffte uns ein Typ in Zivil an, der auf einem Ausstellungstisch sass: Hier ist jetzt zu! Äh, häh? Durch die Abteilung wuselte noch jede Menge Kundschaft und als Uhrnichtträger wusste ich auch nicht, wie spät es war. Mit einem bestimmenden "Quatsch" wischte ich die Bemerkung weg und suchte die Abteilung nach Wrangler-Pullovern ab. "Ja wirklich", blaffte das Tischmännchen wieder. Er schien hier offensichtlich zu arbeiten, aber das sah man ihm weder äusserlich noch innerlich an. Stattdessen watschelte so eine Art Sicherheismännchen von einem Kunden zum nächsten und wickelte diesen in ein Gespräch, welches wohl die Ladenöffnungszeiten zum Inhalt hatten. Zu mir kam er gar nicht erst, da ich längst schon wieder auf dem Weg nach oben war - ohne besagtem Pullover. An der Kasse dann im Erdgeschoss: Riesengedränge. Mittlerweile hatte man die Rolltreppen abgestellt und das Licht ausgemacht. Man wollte offenbar suggerieren, dass der Einzelhandel an der Kundenanwesenheit nicht mehr interessiert war. Statt mich eine halbe Stunde unnütz an der Kasse anzustellen suchte ich weiter nach Pullovern im Erdgeschoß. Die meisten ausgestellten Kleidungsstücke waren aber nicht tragbar. Also Rückkehr zur Kasse - immer noch Menschenmassen. Boah! Da entdeckte ich links und rechts der Kasse so eine Art Kassenautomat für elektronisches Bezahlen. Also gut, dachte ich mir, man muss ja für neue Innovationen offen sein. Ich studierte die knappe Bedienungsanleitung: Beleg einscannen, Betrag bestätigen, Amex-Karte durchziehen, fertig. Nach dem Ausdruck des Belegs irritierte etwas die Meldung "Wenden Sie sich an die Warenausgabe, zwecks Entfernung des Sicherheitsettikets". Äh, ja. Ausserdem stand ich etwas verloren mit meiner Hose jetzt rum. Kurzerhand entwendete ich eine Plastetüte vom Kassentisch und stürzte die tote Rolltreppe hoch in den ersten Stock. Dort ist eigentlich die Warenausgabe im P&C - war aber keine mehr. Irgendwie ist wieder umgeräumt worden oder es war schon zu. Schulterzuckend stolperte ich wieder runter dem Ausgang entgegen. Ich sah mich schon zu Hause mit Hammer und Meisel das Sicherheitsettikett abstemmen. Unterwegs schwappte ein Geräusch an mein Ohr, was von einer umherstehenden Tante produziert wurde. Sie hatte wohl gesehen, dass das Preisschild an meiner Hose noch nicht entwertet wurde, was mich aber nicht weiter störte, denn ich wollte jetzt gehen. Stattdessen zergelte mich die Tante zum Kassenbereich,an  dem mich jetzt 5 Verkäuferinnen strafend anschauten, weil ich das elektronische Kassensystem benutzte anstatt die analoge Kasse mit der Schildkröte an dem Registrierautomaten. Es folgte dann das, was ich am meisen hasste: Die Verkäuferin belästigte mich mit ihrem Privatleben und wie lange sie heute arbeiten musste und sie mich quasi in ihrer Freizeit bedienen muss. Ich entgegnete, dass ich ihre Dienstleitung gar nicht in Anspruch nehmen möchte, denn ich war ja am Bezahlautomaten. Aber das löste nur neuen Unmut aus, daß demnächst alle Kassenarbeitsplätze zugunsten der Automaten wegfallen würde, was mich zu wahren Begeisterungsstürmen hinriss, weil man dann offensichlich noch schneller bezahlen konnte. Ich musste dann noch meinen Kreditkartebeleg unterschreiben (wozu?) und bekam die Sicherheitsetiketten abgenommen. Unzufrieden verliess ich den Laden und vergass nicht, dies der Verkäuferin mitzuteilen. Statt aber einen geringen Ansatz von Kundenfreundlichkeit aufkommen zu lassen, bekam ich noch einen Schnauzer "das ist ebend so" zurück und wurde dann Donnerstagabend um 20:10 Uhr aus dem Laden entsorgt.

   

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